10 Grundregeln für Feedback-Geber

10 Grundregeln für Feedback-Geber

Selten herrscht eine so große Einigkeit über unterschiedlichste Organisationen wie zum Thema Feedback. Es zählt zum guten Ton des Miteinanders, sich gegenseitig Feedback zu geben und Feedback von anderen anzunehmen. Im Zuge von Agile und Scrum verschwinden offizielle Hierarchien und Feedback im Team oder in der Gruppe gewinnt noch mehr an Bedeutung.

Was beim Feedback geben und Feedback nehmen zu beachten ist, erfährst Du in diesem Beitrag.

Was ist Feedback?

Feedback ist eine in der Kommunikation erfolgte Rückmeldung zur eigenen Wahrnehmung von Situationen, Interaktionen und deren Wirkung auf einen selbst.

Grundsätzlich: Unbestimmtheit von Feedback

Wie dein Gegenüber dein Feedback aufnimmt, ob positiv oder negativ, kannst du nur vermuten.  Du weisst es im Vorhinein nicht

Nicht jedes positive Feedback wird vom Kommunikationspartner positiv aufgenommen. Oder ein positiv gemeintes Feedback, wird vom anderen Menschen als zu schwach, zu wenig positiv wahrgenommen. Es kommt ebenfalls vor, dass der Empfänger deines positiven Feedbacks gerne für etwas anderes gelobt worden wäre. Dies gilt ebenso für negativ intendiertes Feedback, welches ebenfalls anders interpretiert werden kann.

Die Bewertung des Feedbacks erfolgt beim empfangenden Menschen, unabhängig davon, wie du es gemeint hast. Du kannst in der Kommunikation nach deinem Feedback erkunden, wie dein Gesprächspartner dein Feedback interpretiert und bewertet

1. Respektvolle Haltung

Durch alle Aktionen und Aussagen schwingt deine Haltung zum Mitmenschen.  Die Haltung ist die unterschwellige Botschaft deines Feedbacks und wirkt unmittelbar auf dein Gegenüber. Intuitiv bemerkt dein Gesprächspartner, wie deine Haltung zu ihm ist.

Eine wohlwollende, respektierende, verbindende Haltung dem anderen Menschen und all seinem Sein, bereitet eine gute Basis für dein Feedback. Nicht Abwertung, Vor-ver-Urteil-ung, richtig-oder-falsch, gut-oder-böse – sondern Liebe zum Mitmenschen, Verbundenheit, Wahrnehmung, Annahme – ist der Boden auf dem Feedback wertschätzend vermittelt wird.

Die Beziehung zwischen dir und deinem Gesprächspartner steht über dem inhaltlichen Feedback.

2. Vier-Augen-Prinzip

Feedback, das von dir als „negativ“ eingeschätzt wird, sollte unter 4-Augen besprochen werden. Feedback, das von dir als Lob intendiert ist, kann unter Anwesenheit anderer Menschen erfolgen. Doch Achtung, ob ein Feedback als positiv oder negativ empfunden wird, entscheidet der Empfänger, nicht der Sender.

In diesem Zuge ist es hilfreich miteinander zu besprechen, wie gegenüber Dritten mit diesem Feedback umgegangen wird. Darf es offen kommuniziert werden, soll es offen kommuniziert werden?

3. Ich-Botschaften

Rede über dich, wie es auf dich wirkt, was es mit dir macht, welche Fragen du dir stellst. Zitiere keine Menschen, die nicht anwesend sind. Jeder im Raum spricht nur für sich.

Weise dem anderen keine Eigenschaft zu (“du bist stur”), sondern beschreibe, wie es auf dich wirkt (“wenn ich dich beim Abwasch beobachte, dann frage ich mich, ob du …”). Du kannst positive wie negative Wirkungen auf dich beschreiben (“ich ärgere mich, weil …”). Vermeide jedoch, daraus Du-Botschaften zu machen (“du bist egoistisch, weil …”).

 

4. Beobachten und beschreiben

Beschreibe, was in deiner Wahrnehmung passiert ist. Erkläre, was dir wichtig ist. Bewerte, wie es dir damit geht. Erkläre nicht, warum der andere so gehandelt hat oder was passiert sein könnte. Bewerte weder die Situation, noch andere Akteure.



Beschreiben bedeutet möglichst konkret und nachvollziehbar zu sprechen. Manche verwenden dazu den Vergleich einer Videokamera, die aufnimmt, was passiert. Alles bezieht sich auf eine konkrete Situation.

Auf der Ebene der Beobachtung wäre eine wirksame Aussage: “In der letzten Sitzung hast du mich mehrere Male unterbrochen, ohne Bezug auf meinen Beitrag  zu nehmen oder deine Unterbrechung zu begründen.” Das Gegenteil davon wäre: “Du bist ein unmöglicher Mensch! Immer unterbrichst du mich!“ Letztere Aussage ist schwierig, weil sie Bewertungen und Verallgemeinerungen enthält.

Auf der Selbst-Erklärungs-Ebene gesprochen: “Mir ist ein konstruktives und offenes Gesprächsklima wichtig, in dem alle gehört werden und in Ruhe aussprechen können – ohne das beim ersten Luft holen jemand anderes den Redner unterbricht.” Destruktiv wäre in diesem Falle: “Du scheinst wohl noch nicht verstanden zu haben, dass wir uns hier ausreden lassen!”

Auf der Selbst-Bewertung könnte folgendes gesprochen werden: “Ich ärgere mich über dich und bin unsicher, ob mein Beitrag und meine Person für dich überhaupt eine Bedeutung haben.” Weniger zielführend wäre es: “Alle hier in diesem Raum leiden unter deiner Unfähigkeit, andere ausreden zu lassen.” Hier wird auf andere Akteure ausgewichen und nichts über die eigenen Bewertungen gesagt.

Auf der Ebene der Selbst-Bedeutung wäre folgendes möglich: “Ich muss immer wieder neu ansetzen, um meine Ideen einzubringen. Deshalb hänge ich oft hinterher. Außerdem vergeht mir so langsam die Lust, mich hier überhaupt an der Diskussion zu beteiligen.” Schwieriger wäre: “Du kannst dir wohl denken, was in mir vorgeht.”

5. Kein “heißes” Feedback

Wenn eine Situation dich emotional sehr trifft, so empfehle ich mit dem Feedback nicht sofort loszulegen. Sondern bewusst zu atmen und vielleicht sogar darüber zu schlafen. Manchmal scheint dies unmöglich, weil der innere Druck, deine Gedanken zum Ausdruck zu bringen, unerträglich wird. Gerade in diesen Situationen wird durch ein „heißes“ Feedback meist mehr Schaden  angerichtet, als Nutzen entsteht. Auf der anderen Seite gilt es Feedback zeitnah zu geben und nicht zu lange zu warten.

Wenn du um Feedback gebeten wirst, dich jedoch spontan nicht in der Lage dazu fühlst, so erkläre dies deinem Gesprächspartner: “Deinem Wunsch nach Feedback zur aktuellen Situation komme ich gerne nach. Mir ist es wichtig, dir nicht zwischen Tür und Angel Feedback zu geben, sondern ich möchte mich darauf vorbereiten. Hast du nächste Woche Zeit für ein Feedback-Gespräch?”

6. Nimm dir Zeit

Feedback zwischen Tür und Angel vermindert dessen Wirkung. Du brauchst Zeit, um dein Feedback darzulegen. Anschließend braucht es Zeit, um auf die Reaktion und die (unausgesprochenen) Fragen deines Gesprächspartners einzugehen. Ein Feedback ohne die Möglichkeit offene Themen zu klären, öffnet Spekulationen und Fehlinterpretationen Tür und Tor.

7. 100 % Aufmerksamkeit

Wenn du Feedback gibst, gebe Feedback. Mache nichts anders. Telefon aus, Türe zu. Sei ganz und gar im Moment, in dem Austausch mit deinem Gegenüber. In diesem Augenblick gibt es nichts wichtigeres als das Gespräch.

8. Hüte dich vor Humor und Ironie

Humor, Ironie und erst recht Sarkasmus sind grundsätzlich nur schwer zu verstehen und unangebracht, wenn es um Feedback geht. Denn bestenfalls verunsichert dies dein Gegenüber so stark, dass es nicht mehr weiß, ob das Feedback nun ernst gemeint war oder nicht. Im Normalfall führt es zu Fehlinterpretationen und lenkt die Energie beim Gegenüber in falsche Bahnen.

9. Nicht zu viel auf einmal

Wenn du mehrere Punkte ansprechen möchtest, so überlege dir gut, in welcher Reihenfolge und wie viel du ansprechen möchtest. Ein verbaler Rundumschlag verunsichert dein Gegenüber – es zerstört die Beziehung. Gib ihm die Chance das Gesagte zu verdauen. Hüte dich davor, zu viele Themen aufzumachen. Lieber eine nach der anderen.

Alternativ kannst du Termine vereinbaren, um regelmäßig Feedback zu ermöglichen.

10. Formuliere deine Erwartungen

Als Feedback-Geber hilfst du dem Feedback-Nehmer, wenn du klar formulierst, warum du dieses Feedback gibst. Selbst, wenn du um Feedback gebeten wurdest, kann es dem Anderen helfen, deine Aussagen besser zu verstehen.

Feedback-Kultur

Wir leben in einer Feedback-Kultur. Manchmal erscheint es eine Feedback-Religion zu sein. Religion deshalb, weil Feedback als durchweg positiv, wertvoll und lebensnotwendig definiert wird. Kein Feedback zu wollen, ist in manchen Organisationen ein Tabu.

Feedback geben und nehmen wollen signalisiert Offenheit, Lernbereitschaft und Teamfähigkeit. Sich Feedback zu verschließen, stigmatisiert die Menschen zu Einzelkämpfern, zu nicht teamfähig, verbohrt und veränderungsunwillig.

Doch grundsätzlich hat jeder Mensch das Recht, selbst zu entscheiden, ob er Feedback geben oder annehmen will. Jeder hat das Recht, so zu sein, wie er ist.

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