5 Grundregeln für Feedback-Nehmer

5 Grundregeln für Feedback-Nehmer

Feedback anzuhören fällt vielen schwer. Selbst erbetenes Feedback kann einen direkt treffen, vom ungefragten, plötzlichen Feedback ganz zu schweigen. Um es vorweg zu nehmen, es besteht keine Pflicht Feedback anzuhören. Wer kein Feedback will, darf dies respektvoll mitteilen.

5 Grundregeln, die dir als Feedback-Nehmer helfen können, mit Feedback wirksam umzugehen.

Was ist Feedback?

Feedback ist eine in der Kommunikation erfolgte Rückmeldung zur eigenen Wahrnehmung von Situationen, Interaktionen und deren Wirkung auf einen selbst.

1. Möchtest du Feedback

Es besteht keine Pflicht Feedback anzuhören. Du darfst jedes Feedback ablehnen. Du darfst sein, wie du bist.

Teile dem potenziellen Feedback-Geber respektvoll mit, dass du kein Interesse an seinem Feedback hast. Falls dir das Feedback zu einem späteren Zeitpunkt haben möchtest, frage ihn, ob er es dir später geben kann.

Nur weil dir jemand Feedback geben will, heißt das nicht, dass du es dir anhören musst. Brené Brown so treffend:

»Viele billige Plätze in der Arena sind von Leuten besetzt, die sich nie auf das Spielfeld wagen. Sie geben einfach aus sicherer Distanz Kritik und abschätzige Kommentare von sich. Wenn wir uns durch das definieren lassen, was solche Leute denken, verlieren wir den Mut, verletzlich zu sein. Deshalb müssen wir bei dem Feedback, das wir in unserem Leben zulassen, eine Auswahl treffen. Für mich gilt: Wenn jemand nicht selbst mitten in der Arena steht und riskiert, sich blaue Flecken zu holen, bin ich persönlich an seinem Feedback nicht interessiert.«

 

~ Brené Brown

2. Atmen, bewusst atmen

Die Konzentration auf deinen Atem hilft dir, klar zu bleiben.

In dieser Klarheit kannst du dir bewusst machen, dass es viele Sichtweisen (Wahrheiten) gibt. Gerade wirst du Zeuge der Sichtweise eines Mitmenschen. Was der Feedback-Geber mitteilt, sagt mehr über ihn, als über dich aus (worauf er achtet, was ihm wichtig ist, was ihn berührt, was er nicht mag, …).

Egal was der Feedback-Geber zu dir sagt (oder schreibt), in seiner Vorstellung hat er die Situation, die Interaktion so erlebt.

Wenn du dieses Erleben nicht akzeptierst, ihn nicht in diesem Erleben siehst, wird keine Verbindung entstehen. Das bedeutet nicht, dass du ihm recht gibst oder das seine Äußerung die Wahrheit darstellt. Es bedeutet vielmehr, dass du ihn siehst– mit seiner Sicht auf die Situation.

3. Wirkliches Zuhören

Wenn du bei deiner ersten Reaktion die drei genannten Dinge berücksichtigst (atmen, viele Wahrheiten, den anderen sehen), hast du gute Voraussetzungen für diesen Schritt: Zuhören.

Neugier sollte dich antreiben. Neugier darauf, wie der andere die Situation erlebte, was ihn dazu beschäftigt, was er wahrnahm (in seiner Welt). Versuche nicht, etwas „richtig“ zu stellen oder zu korrigieren. Du kannst jedoch fragen, wenn du etwas nicht verstanden hast (Verständnisfragen). Oder nach der konkreten Situation, der konkreten Aussage fragen. Alle Fragen, die dir helfen den Anderen zu verstehen, sind erlaubt. Alle Fragen, die die Wahrnehmung des Anderen infrage stellen, schaden dir und dem Anderen.

Am Ende des Zuhörens hast du ein Bild davon, wie der Andere die Situation sieht, wie er sich dabei fühlte, welche Gedanken ihn beschäftigen und warum er dir dieses Feedback gibt.

Vielleicht fällt es dir an einigen Stellen sehr schwer, den Feedback-Geber nicht zu unterbrechen. Du willst sofort die Dinge klarstellen, mitteilen, wie es “richtig” war oder wie “wirklich” gemeint war. Tue es nicht. Lass den Feedback-Geber ausreden, in der Zeit, die er braucht.

4. Deine Antwort

Darfst du antworten? Ja. Der Andere wird dir zuhören, wenn er selbst das Gefühl hat, dass er in seiner Sichtweise gesehen wurde.

Darfst du dich rechtfertigen? Wenn du es möchtest, ja. Doch verbindender ist es, wenn du über deine Wahrnehmung sprichst, deine Intention, deine Beweggründe.

Trenne klar zwischen den Ebenen der sprachlichen Formulierung (beobachten, erklären, bewerten, Bedeutung geben). Trenne klar zwischen dir, dem Anderen und möglichen Dritten. Spreche stets für und über dich.

5. Nach dem Feedback-Gespräch

Am Ende des Feedbacks entscheidest du in Ruhe, was du mit diesem Feedback machst, ob und was für dich passt. Du kannst es verwerfen, es ignorieren. Es ist in Ordnung, wenn du Feedback ignorierst, da du sonst bei der Vielfalt der Wahrheiten, zum Spiel der Meinungen anderer wirst.

Wenn dich ein Feedback berührt und du es zum Anlass nehmen möchtest, etwas zu verändern, so ändere es. Arbeite heute damit – und verschwende keine Gedanken an die Vergangenheit. Du kannst dem Anderen deine Wahrheit mitteilen, dich entschuldigen, dass es den Anderen getroffen, was du getan hast.

Du besitzt die freie Wahl, was du mit dem Feedback machst. Mache dir nochmals bewusst, dass es sich nicht um Wahrheiten handelt, sondern um subjektive Wahrnehmungen.

Feedback-Kultur

Wir leben in einer Feedback-Kultur. Manchmal erscheint es eine Feedback-Religion zu sein. Religion deshalb, weil Feedback als durchweg positiv, wertvoll und lebensnotwendig definiert wird. Kein Feedback zu wollen, ist in manchen Organisationen ein Tabu.

Feedback geben und nehmen wollen signalisiert Offenheit, Lernbereitschaft und Teamfähigkeit. Sich Feedback zu verschließen, stigmatisiert die Menschen zu Einzelkämpfern, zu nicht teamfähig, verbohrt und veränderungsunwillig.

Doch grundsätzlich hat jeder Mensch das Recht, selbst zu entscheiden, ob er Feedback geben oder annehmen will. Jeder hat das Recht, so zu sein, wie er ist.

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