You are currently viewing Forming, Storming, Norming und Performing nach Bruce Tuckman (Teil 1)

Forming, Storming, Norming und Performing nach Bruce Tuckman (Teil 1)

Forming
Forming,
Marie Rehehäuse 2018

Ein bekanntes Modell der Gruppendynamik ist aus dem Jahr 1965. Es stammt von Bruce Tuckman. Er unterteilt den Gruppenprozess in Phasen: Forming, Storming, Norming und Performing. 1977 nahm er Adjourning hinzu. Seine Einteilung ist die Basis für viele Trainings und Seminare.

Lesen Sie in Teil 1 alles über die Phase Forming.

Was ist Forming?

Die erste Phase nennt Tuckman: Forming. In dieser Phase treten die Akteure erstmalig in einen Austausch. Ein Interaktionsraum entsteht. Die meisten Akteure kennen sich nicht. Sie wissen nicht um die Ziele der anderen. Die Unsicherheit ist groß. Keiner weiß, was ihn erwartet – und was von ihm erwartet wird. Niklas Luhmann nennt es ›geringe Erwartungssicherheit‹.

Das Dilemma: Jeder geht in die Interaktion, ohne zu wissen, wie er das tun soll. Wie soll er sich ›richtig‹ verhalten, wenn er nicht weiß, was in dieser Gruppe ›richtig‹ ist?

Unausgesprochene Fragen der Akteure

Zu Beginn beherrschen vier Grundfragen die Situation:

  • Wer sind die anderen Akteure? Wer ist wem nah? Wer ist „attraktiv“ in der Gruppe » Beziehungsebene
  • Werde ich dazugehören? » Gruppenebene, Zugehörigkeitsebene
  • Wer hat Macht? Was ist machbar? ›› Machtebene
  • Welche Normen, Regeln und Ziele gelten hier? Worum geht es hier offiziell? » Sachebene

Nach Friedemann Schulz von Thun bestimmen folgende Fragen das Geschehen:

  • Warum (vor dem Hintergrund welcher Vorgeschichte) und
  • wozu (mit welcher Zielrichtung) kommen ausgerechnet
  • wir (in dieser besonderen Zusammensetzung der Rollen und Personen)
  • ausgerechnet heute (und nicht gestern oder morgen)
  • zu diesen Aufgaben und Themen (in dieser Reihenfolge und mit diesem Zeitbudget) zusammen?
Gleichabständigkeit Forming
Gleichabständigkeit

Gleichabständiges Abtasten

Zur Klärung dieser Fragen findet ein gleichabständiges Abtasten statt. Jeder ist bemüht, mit den anderen gut in Kontakt zu kommen. Konflikte und Unterschiede blenden die Akteure aus. Statt dessen übt sich jeder in Small Talk.

Meist bewegen sich die Akteure zwischen Neugier und Vorsicht (Angst vor Ausschluss, Fehlern). Anspannung und Unsicherheit sind im Raum spürbar. Gleichzeitig kann diese Spannung kaum abgebaut werden, da die Regeln hierfür nicht bekannt sind. Dies steigert die Nervosität der Akteure.

Es ist nicht klar, welche Fragen erlaubt sind. Deshalb sprechen die Teilnehmer manche Themen nicht an. Ein idealer Nährboden über Projektionen und Übertragungen.

Jeder beobachtet die Gruppe und wird von den Mitspielern beobachtet. Wechselseitig weist man sich Rollen und Eigenschaften zu. Aus den Interaktionen und Beobachtungen konstruieren sich alle ihr Bild über die Mitspieler und die Gruppe.

Konkrete Fragen der Akteure

Die konstruierten Antworten umfassen folgende Fragen (in Klammer die entsprechenden Ebenen).

  • Was tun wir hier? (Sinn)
  • Was gelte ich hier? (Akzeptanz)
  • Wer darf hier was? (Verhalten)
  • Wir hier geduzt oder gesiezt? (Kommunikation)
  • Welche Fähigkeiten von mir braucht die Gruppe? (Fähigkeiten)
  • Welche Informationen will die Gruppe haben, welche nicht? (Information)
  • Wer wird hier das Sagen haben? (Beziehung und Macht)
  • Welche Gefühle sind hier erlaubt, welche nicht? (Gefühle)
  • Werde muss ich tun, um dazu zugehören? (Zugehörigkeit)
  • Kann ich den anderen Vertrauen? (Sicherheit und Vertrauen)
  • Wer entscheidet über Pausen? (Orientierung und Struktur)
  • Wer gehört alles zur Gruppe, wer nicht? (Grenzen)

Pseudo-Sicherheit

Jeder konstruiert sich die anderen Akteure. Gleichzeitig ist sich jeder bewusst, dass er von den anderen ebenfalls konstruiert wird. Auf der einen Seite möchte jeder ›in seinem Sinne‹ wahrgenommen werden. Auf der anderen Seite gilt es die ›erwarteten Erwartungen‹ der anderen zu berücksichtigen.

Jede Angriffsfläche wird vermieden. Jeder möchte Sicherheit ausstrahlen. Im Scheine dieser Pseudo-Sicherheit fühlt er sich höchst unsicher.

Gemeinsamkeiten im Fokus

Fokus im Forming

In dieser Phase liegt der Fokus auf den Gemeinsamkeiten. Die Akteure suchen die Verbindungen untereinander. Jeder wünscht sich festen Untergrund, um Sicherheit zu gewinnen. Bemüht sich um Verbündete, damit Vertrauen entsteht.

Das Ergebnis ist ein Gruppenzielpool. Die Grenzen nach Außen sind geklärt. Die Regeln in der Gruppe bekannt.

Anzeichen für den Abschluss des Formings

Das Ziel des Formings besteht in der Arbeitsfähigkeit der Gruppe. Die Akteure sind angekommen, die Rollen (vorerst) geklärt.

Die Gruppe hat ihre Struktur gefunden. Jeder hat ein ausreichendes Maß an Vertrauen an die Mitspieler und fühlt sich hinreichend zugehörig. Die drei Grundfragen sind hinreichend geklärt.

Anzeichen dafür sind:

  • Appele der Akteure anzufangen
  • Akteure zeigen mehr Individualität
  • Konflikte deuten sich an

Nutzen für die Praxis

Intuitiv kennt es jeder, doch Bruce Tuckman hat es mit dem Begriff Forming auf den Punkt gebracht. Der wirksame Umgang mit der Unsicherheit der Akteure entscheidet über den Erfolg der Gruppe.

Das Forming wird dabei nicht nur zu Beginn durchlaufen. Sondern findet immer wieder in die Gruppe statt.

  • neue Teammitglieder
  • geänderte Ziele
  • unbekannte Führungskraft

Aus meiner Sicht ist die Beherrschung dieser Phase eine Voraussetzung für wirksame Gruppen.

Die nächste Phase: Storming

Erfahren Sie im nächsten Teil wie es weitergeht. Der Name deutet es bereits an, im Storming weht teilweise ein heftiger Wind.

Im finalen Artikel führe ich dann Literaturhinweise und weiterführende Quellen auf.

Erhalten Sie automatisch eine Nachricht über neue Artikel und melden Sie sich für den ›prinzip wirksamkeit‹ Newsletter an.

Mehr Wirksamkeit für Ihre Besprechung oder Ihren Workshop?

Nutzen Sie meine kostenlose Erstberatung:
Telefon +49 176 326 303 98 oder
unverbindlich