Forming, Storming, Norming und Performing nach Bruce Tuckman

Forming, Storming, Norming und Performing nach Bruce Tuckman

Ein bekanntes Modell der Gruppendynamik ist aus dem Jahr 1965. Es stammt von Bruce Tuckman. Er unterteilt den Gruppenprozess in Phasen: Forming, Storming, Norming und Performing. 1977 nahm er Adjourning hinzu. Seine Einteilung ist die Basis für viele Trainings und Seminare.

Forming

Das erste Zusammentreffen der Akteure. Ein Abtasten beginnt. Freundlichkeit herrscht vor.

Storming

Nun beginnen die Akteure sich zu zeigen. Unterschiede und Konflikte treten auf. Wahrhafte Begegnung wird ermöglicht.

Norming

Hier wird vereinbart, wie die Zusammenarbeit erfolgen soll. Regeln und Vorgehensweisen werden explizit oder implizit gesetzt.

Performing

Für viele geht es jetzt “endlich” an die Arbeit. Die Aufgaben werden bearbeitet, Ergebnisse entstehen. Die Gruppe fühlt sich richtig produktiv.

Was ist Forming?

Die erste Phase nennt Tuckman: Forming. In dieser Phase treten die Akteure erstmalig in einen Austausch. Ein Interaktionsraum entsteht. Die meisten Akteure kennen sich nicht. Sie wissen nicht um die Ziele der anderen. Die Unsicherheit ist groß. Keiner weiß, was ihn erwartet – und was von ihm erwartet wird. Niklas Luhmann nennt es ›geringe Erwartungssicherheit‹.

Das Dilemma: Jeder geht in die Interaktion, ohne zu wissen, wie er das tun soll. Wie soll er sich ›richtig‹ verhalten, wenn er nicht weiß, was in dieser Gruppe ›richtig‹ ist?

Formings in der Praxis

Intuitiv kennt es jeder, doch Bruce Tuckman hat es mit dem Begriff Forming auf den Punkt gebracht. Der wirksame Umgang mit der Unsicherheit der Akteure entscheidet über den Erfolg der Gruppe.

Das Forming wird dabei nicht nur zu Beginn durchlaufen. Sondern findet immer wieder in die Gruppe statt.

  • neue Teammitglieder
  • geänderte Ziele
  • unbekannte Führungskraft

Aus meiner Sicht ist die Beherrschung dieser Phase eine Voraussetzung für wirksame Gruppen.

Was ist Storming?

Im Forming stand das Wir im Fokus. Es wurden Gemeinsamkeiten gepflegt und Konventionen vereinbart. Die Abgrenzung nach Außen fand statt. Die Akteure fühlen sich sicher und zugehörig. Das Storming kann starten.

Im Storming geht es um die offene Kommunikation des Konfliktpotenzials in der Gruppe. Es gilt aus dem Wir herauszutreten und sich als Person vom Wir abzugrenzen. Es gilt zu zeigen: Wer bin ich? Wofür stehe ich?

Wenn jeder Akteur sein Ich einbringt, wird wahrhafte Begegnung möglich.

Storming in der Praxis

Das Storming entscheidet über die Wirksamkeit einer Gruppe. Ein offenes und respektvolles Storming ist das beste Fundament. Hier entscheidet sich, ob sich die Akteure mit der Gruppe identifizieren. Ob sich aus den vielen Ichs ein Wir formt.

Im Konflikt werden Bündnisse sichtbar. Koalitionen bilden sich. Versteckte Störungen zeigen sich und können besprochen werden. Klarheit durchzieht die Gruppe. Die ›Wahrheit der Situation‹ manifestiert sich.

Dabei steht nicht im Vordergrund, wer recht hat. Sondern die Frage eines jeden Akteurs, ob er sich gesehen, angenommen und respektiert fühlt. Darf er so sein, wie er ist? Gilt er etwas?

Macht er für die Gruppe einen Unterschied – oder ist es egal, ob er mit dabei ist? Wer den Eindruck gewinnt, dass er keinen Unterschied macht, zieht sich zurück. Er identifiziert sich weniger mit der Gruppe. Er bringt sich weniger ein. Wer sich gesehen fühlt, ist in der Lage tragfähige Beziehung zu knüpfen.

Was ist Norming?

Die Akteure erarbeiteten im Forming den Gruppenzielvertrag. Im Storming zeigten sich die Konflikte über die Ziele und die Vorgehensweise in der Gruppe. Im Norming werden die Ziele konkretisiert und priorisiert. Die Gruppe bespricht die weitere Vorgehensweise. Sie schließt eine Vereinbarung über den gemeinsamen Weg. Eberhard Stahl nennt dies eine ›Vereinbarungsstruktur‹.

Es gilt sich von Zielen und Vorstellungen zu verabschieden, die nicht von der Gruppe getragen werden. Deshalb wird das Norming als Phase der Ernüchterung bezeichnet. Die Anzahl der möglichen Verhaltensweisen nimmt ab.

Norming in der Praxis

Wird diese Phase übersprungen, so stolpert die Gruppe später immer wieder wie aus dem Nichts und kommt sehr schwer in ihre Wirksamkeit. Dessen ungeachtet ist Widerstand der Akteure gegen das Norming zu erwarten.

Ein Teil der Akteure möchte sich nicht festgelegen und fürchtet um die eigene Flexibilität. Andere Akteure wollen zügig ins ›Arbeiten‹ kommen und nicht viel Zeit mit dem Norming verlieren. Weiterer Widerstand wird spürbar, wenn Gruppen-Tabus durch das Norming offensichtlich werden könnten. Im Zuge des Normings ist es ebenfalls möglich, dass es innerhalb von Teilgruppen (Bündnisse, Koalitionen) zu Differenzen kommt, die vorher nicht sichtbar waren.

Das Norming entscheidet über die Wirksamkeit einer Gruppe. Ihre Wirksamkeit hängt davon ab, ob sie in der Lage ist, sich selbst Regeln zu geben. Regeln ermöglichen, effektiv und effizient gemeinsam zu arbeiten. Sie ermöglichen das Erkennen von Unterschieden. Sie schärfen den Fokus auf das was ist und wie es sein sollte.

Was ist Performing?

Im Performing setzen die Akteure die Vereinbarungsstruktur aus dem Norming um. Diese Vereinbarung regelt jedoch nicht jeden Einzelfall. Sie beinhaltet viele Situationen nicht und manche Themen nicht konkret genug.

Deshalb gilt es die Balance zwischen der Umsetzung des Normings und der Dynamik des Performings anzustreben. Es gilt Anpassungen zu erlauben, die einer Zielerreichung dienlich sind. In diesem Sinne gibt es kleine Normings im Performing. Eberhard Stahl spricht vom ›gelebtem Gruppenvertrag‹.

Diese Dynamik beinhaltet folgende Unterscheidungen:

  • fehlende Konkretisierung eines Themas im Gruppenvertrag
  • ein Thema wurde im Gruppenvertrag nicht erwähnt oder festgehalten
  • ein Thema des Gruppenvertrags muss an die aktuelle Situation angepasst werden

Performing in der Praxis

Die Akteure treffen sich zur Erreichung gemeinsamer Ziele. In diesem Sinne ist das Performing der von allen Akteuren ersehnte “Arbeits”-Raum. Die Gruppe kommt in die Handlung, in die Aktion. Nach den für manche schwierigen Vorbereitungen in den Phasen Forming, Storming und Norming kann jetzt die “eigentliche” Gruppenarbeit erfolgen.

Hier wird der Erfolg oder Mißerfolg einer Gruppe gemessen. In dieser Phase zeigt es sich, ob der Rahmen der Gruppe tragfähig sein wird. Wirksame Gruppen ernten in dieser Phase die Früchte der Arbeit aus den vorherigen Phasen.

Ein Hinweis zur Orientierung

Die einzelnen Phasen treten in der Praxis nicht in Reinkultur auf. Oft sind Elemente aus den Phasen vermischt. So gibt es im Forming kurze Sequenzen des Stormings, Normings und Performings.

Die Vereinbarung des Gruppenzielvertrags im Forming ist Performing. Zugleich liefert dies Themen für das Storming. Denn nicht jedes Ziel wird umgesetzt.

Zur Orientierung stelle ich die Phasen getrennt dar. Wohlwissend, dass dies in der Praxis selten der Fall ist.

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