Sokratisches Gespräch

Wirklich gute Gespräche sind selten geworden

Die meisten Gespräche gleichen einem Boxkampf. Jeder teilt seine Argumente und Positionen aus, steckt die anderen Argumente und Positionen ohne eine Regung weg und sammelt, während der andere spricht, bereits weitere schlagkräftige Argumente. Jede Luftholen des Gegenübers wird genutzt, um selbst Dampf abzulassen. Ein Schlagabtausch, der so gar nichts mit einem wirklichen Gespräch zu tun hat.

Am Ende geht jeder genauso aus dem Gespräch, wie er ins Gespräch ging. Es fand keine gegenseitige Bereicherung, Befruchtung statt. Die eigene Meinung über die Unfähigkeit des Anderes wurde bestätigt. Man sucht gleich jemanden auf, der so denkt wie man selbst, Balsam für die Seele und Rückversicherung, dass man selbst der Gute ist.

Es ist ein Armutszeugnis, wie wir als Teams und Gruppen unsere Gespräche viel Potenzial verschenken, weil unsere Gespräche verkümmert sind. Genau hier setzt das Sokratisches Gespräch an!

»Jetzt denkst du vielleicht,
wie soll das funktionieren,
wir praktizieren diesen Boxkampf seit Jahren!«

Es ist möglich!

Sprechen und Zuhören sind menschliche Urgesten. Doch leider gibt es Rahmenbedingungen, die diesen gemeinsamen Dialog stören. Im Sokratisches Gespräch entfalten wir gemeinsam einen Rahmen, wo Sprechen wieder möglich wird, wo Zuhören wieder erfahren werden kann.

Selbst jahrelange Muster können aufgebrochen werden. Verständnis für die andere Position, für den anderen Menschen kann wachsen. Eigene Gedanken können besser sortiert werden, das eigene Weltbild weitet sich. Am  Ende gewinnen alle!

 

»»Ein Gespräch setzt voraus,
dass der Andere recht haben könnte.«

Hans-Georg Gadamer

Wie läuft ein Sokratisches Gespräch ab?

Wir nehmen uns 3 Stunden Zeit. In dieser Zeit besprechen wir eine offene Frage, die im Vorfeld an alle verteilt wird. Es gibt keine Redereihenfolge oder festgelegte Sprechzeiten. Sondern jeder spricht, wenn er einen Impuls dazu spürt. Am Ende stellen die meisten Akteure mit Erstaunen fest, dass die 3 Stunden wie im Fluge vergangen sind. O-Ton eines Teilnehmers: „Es fühlt sich wie 5 Minuten an!“

Einzige Bedingung ist, dass jeder über sich und seine Erfahrungen, seine Gedanken spricht. Nicht erlaubt sind Studien, fremde Erfahrungen oder Zitate von anderen Personen. Es gilt, den eigenen Gedanken Raum zu geben. Dadurch eröffnet sich die Chance sich selbst neu zu entdecken und von anderen, in seinem ursprünglichen Sein, inspiriert zu werden.

Noch mehr Informationen zum Sokratischen Gespräch findest Du hier, auf meinem Blog.

»Wann, so würde ich auch fragend sondieren wollen,
ist ein offenes, neugieriges Gespräch, eines, das an Erkenntnis interessiert ist und
nicht an wechselseitigen Vorwürfen und Verdächtigungen,
eigentlich altmodisch oder unmöglich geworden?
In der gegenwärtigen polarisierten Diskussions-Kultur scheint das kaum mehr möglich:
dieses Reden, das noch tastend und suchend, sich bewegt, das Sonden vorantreibt,
die, sich am Weg reibend, die Sondierung erst herstellt.«

Carolin Emcke

Wer kann teilnehmen?

Jeder kann teilnehmen. Ein Bezug zur Fragen reicht aus, keiner muss Fachexperte sein. Natürlich braucht es den Mut und die Geduld, wirklich sprechen und wirklich zuhören zu wollen.

Es ist ideal für den Einstieg in Workshops, Seminare oder zur Klärung wichtiger Themen. Gerade zu Beginn eines Projektes oder Prozesses lohnt es sich, hier zu investieren. Oder wenn wichtige Projekte und Prozesse stocken, hilft ein Sokratisches Gespräch, um alle Perspektiven auf den Tisch zu bringen und mit klarer Sicht in die Zukunft zu gehen.

Methodische Voraussetzungen

Wir brauchen dafür einen Raum für die jeweilige Gruppengröße, wobei eine Anzahl von 7-9 Akteure optimal ist. Es geht bis maximal 16 Akteure.

Bei größeren Gruppen biete ich passendere Formate an.

»»Wenn uns dagegen etwas daran liegt, wir wirklich darauf brennen,
etwas herauszufinden, dann werden Sie nicht an Ihrer speziellen Lieblingstheorie festhalten und ich nicht an der meinen.
Dann wird weder Ihre eigene Erklärung Ihren Durst stillen,
noch werden Sie sich mit der meinen zufrieden geben;
sondern wir werden zusammenkommen wie zwei Ströme,
und mit Überlegung, Entschlossenheit und mit (voller) Absicht die notwendige Kraft aufbringen,
die alle Fesseln, alle Hindernisse beiseite fegt, sodass wir klar sehen können.«

Jiddu Krishnamurti

Gemeinsam neu denken?

Du hast Lust mit deinem Team oder mit deiner Gruppe die Dinge neu zu denken? Du möchtest ein Sokratisches Gespräch erleben? Dann schreibe mir hier und lass uns in einen ersten, kostenfreien Austausch treten.

»Man kann auf seinem Standpunkt stehen,
aber man sollte nicht darauf sitzen.«

Erich Kästner