Was ist die ›Theory of Mind‹?

Was ist die ›Theory of Mind‹?

Theroy of Mind
Theory of Mind
Marie Rehehäuer 2018

Es klingt wie eine Alltagsweisheit: Die ›Theory of Mind‹ beschäftigt sich mit der Fähigkeit, sich in anderen Menschen hineinversetzen zu können. Dieses Hineinversetzen bezieht sich auf deren Gefühle, Bedürfnisse, Ideen, Erfahrungen, Glaubenssätze und Wertevorstellungen (…).

Diese Fähigkeit wird von Peter Fonagy und Mary Target mit Mentalisierung bezeichnet. Er versteht darunter die Fähigkeit, das eigene Verhalten oder das Verhalten anderer Menschen durch Zuschreibung mentaler Zustände zu interpretieren.

 

Das klassische Beispiel der ›Theory of Mind‹

Oft wird die Theory of Mind mit diesem Beispiel eingeführt:

Maxi isst eine Tafel Schokolade. Nachdem er die erste Schokoladenhälfte verspeist hat, legt er den Rest in die Küchenschublade und geht in den Garten spielen. Nun kommt Maxis Mutter in die Küche, öffnet die Küchenschublade, entdeckt die Schokolade und legt diese Schokolade in den Kühlschrank.

Wenn Maxi nun aus dem Garten zurückkommt, wo wird er nach der Schokolade suchen? Er weiß nicht, dass seine Mutter die Schokolade zwischenzeitlich gefunden und in den Kühlschrank gelegt hat.

Die Antwort erscheint vielen als offensichtlich. Natürlich wird Maxi in der Schublade suchen. Kleinkinder (bis ca. 3 bis 4 Jahren) und Menschen mit autistischer Veranlagung antworten jedoch mit: “Im Kühlschrank”. Sie haben noch keine ›Theory of Mind‹.

War deine Antwort “In der Schublade”, so kannst du Dich in Maxi hineinversetzen und die Welt aus seinen Augen betrachten (was die Suche nach der Schokolade betrifft).

 

Lügen „können“ als Voraussetzung

Wenn ein Kind zum ersten Mal bewusst lügt, ist dies ein wichtiger Schritt in seiner Entwicklung. Das Kind spricht etwas aus, von dem es weiß, dass es nicht wahr ist. Dieser kognitive Schritt wird meist negativ von den umgebenden Erwachsenen bewertet. “Du sollst nicht Lügen!”. Das Erwachsene täglich mehrfach lügen, wird wegrationalisiert oder als “Notlügen” assimiliert.

Um Lügen zu können, muss die Trennung zwischen richtig und falsch erfolgen können. Im Gehirn können mehrere Zustände der Wahrnehmung nebeneinander existieren. In diesem Sinne ist die Fähigkeit lügen zu können eine Voraussetzung der ›Theory of Mind‹. Bei Kleinkinder setzt dies zwischen dem 3. und 4. Lebensjahr ein. Ausnahmen bestätigen die Regel!

Mehrere Zustände von einer Sache zu durchdenken, eine Sache aus mehreren Perspektiven betrachten zu können, kann zu Lügen führen oder zur Fähigkeit, sich in andere hineinzusetzen.

 

Das Gegenteil davon

Das Gegenteil der ›Theory of Mind‹ ist die Annahme, dass jeder Mensch so denkt und handelt, wie “man” selbst denkt und handelt. Kürzer gesagt: Alle Menschen sind so wie ich bin. Sie haben die gleichen Werte, Absichten, Glaubenssätze, Wertungen, Ziele …

Obwohl dies für die meisten Menschen offensichtlich nicht wahr sein kann, erlebe ich in vielen Besprechungen und Workshops Menschen, die ihre Ansicht über die Welt und ihre Lösung für so klar und richtig erachten, dass sie andere Wahrnehmung von Beginn an als falsch ablehnen. “Unfug!”.

Sie zeigen in diesen Augenblicke nicht die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen. Sie mentalisieren nicht.

 

Bedeutung für die Zusammenarbeit

Die meisten Menschen glauben, dass die eigene Ansicht, die eigene Wahrnehmung über die Welt “richtig” ist. Das die eigene Wahrnehmung die wirkliche Welt darstellt. Zeitgleich bestätigt er sein Weltbild, seine Art und Weise die Welt zu sehen, tagtäglich bewusst und unbewusst. Es wird bevorzugt wahrgenommen, was das eigene Weltbild bestätigt (Information), und es wird übersehen, was nicht ins eigene Weltbild passt (Exformation).

Wird in einer Gruppe die Sichtweise eines Akteurs nicht berücksichtigt oder gar negativ ab-gewertet, so führt dies nicht zu einer Erkenntnis (“oh, ich habe wohl unrecht”), sondern eher zu Rückzug und Ausgrenzungsgefühlen. Die Gruppenleistung wird sinken, weil die Energie dieses Gruppenmitglieds nicht mehr vollständig zur Verfügung steht. Selbstverständlich lässt sich dies das Gruppenmitglied nicht anmerken, sondern spielt das offziele Spiel mit.

Im Grund geht es nicht um die Durchsetzung der eigenen Meinung, im Sinne von: “Nur ich habe recht!”. Sondern es geht um ein Gesehen, um ein Gehört werden, ein Ernst-genommen-werden. Um den Respekt vor dem Weltbild eines jeden Einzelnen.

Das gemeinsame Erkunden der jeweiligen Weltbildern, vorurteilsfrei, offen und neugierig, wirkt meist Wunder. Dafür braucht es Zeit, Respekt und wirkliches Interesse.

 

Zusammenfassung

Die Wirklichkeit von jedem anzuerkennen, diese selbst näher kennenzulernen und gemeinsam zu erkunden ist der erste Schritt zur Mentalisierung. Dieses Wissen im weiteren Verlauf zu berücksichtigen, seine eigene Weltsicht hinten an zu stellen, der nächste Schritt. Wenn dies gelingt, wird Respekt und Anerkennung gelebt. Die Wissenschaft beschreibt dies mit Theory of Mind, der gesunde Menschenverstand kennt dies seit tausenden von Jahren.

Basis für ein Miteinander ist ein Verständnis für- und miteinander. Das klingt so einfach, wird in der Praxis jedoch oft missachtet.

 

Weiterführende Quellen

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