Was ist eine Zukunftswerkstatt?

Was ist eine Zukunftswerkstatt?

Eine Zukunftswerkstatt basiert auf der Annahme: Jeder Mensch ist Experte in seinen Angelegenheiten. In diesem Sinne eröffnet die Zukunftswerkstatt einen gemeinsamen Prozess zur Lösung gemeinschaftlicher Probleme. Er führt durch drei Stufen (Kritik, Utopia, Durchsetzung) zu handlungsrelevanten Aktionen und kann mit Gruppen bis maximal 25 Akteuren gestaltet werden. Die Akteure der Zukunftswerkstatt werden in ihrer Individualität gestärkt, empfinden oft eine starke Identifkation mit den Maßnahmen und erleben ein ausgeprägtes WIR-Gefühl in der Gruppe (trotz unterschiedlicher Perspektiven).

Die Erfinder der Zukunftswerkstatt umschreiben es treffend:

Dieses Erklärstück (neudeutsch: SimpleShow) wurde im Seminar “Politik erklären” im Sommersemester 2010 an der TU Dresden erstellt.

Wann setze ich eine Zukunftswerkstatt ein?

Eine Zukunftswerkstatt kann zu unterschiedlichen Themenstellungen eingesetzt werden. Beispielhaft habe ich hier einige Themenfelder aufgeführt:

  • zur Durchdringung eines Problems, um alternative Lösungen und Vorschläge zu entwickeln
  • Konzepte, Programme und Pläne gemeinsam zu neuen Themen entwickeln
  • Sensibilisierung zu aktuellen oder akuten Problemen
  • bestehende Routinen erkennen und neue Wege entdecken
  • Einstieg in ein neues Thema, um einen positiven, gelungenen Einstieg für alle zu ermöglichen
  • abteilungsübergreifende Perspektiven entwickeln, das Wir-Gefühl stärken und Lösungen gemeinsam entwickeln
  • neue Produkte und Verfahren gemeinsam erarbeiten
  • neue Ausrichtung von Bereichen und Organisationen

Welche Voraussetzungen braucht eine Zukunftswerkstatt?

Eine Zukunftswerkstatt braucht spezifische Bedingungen, damit sie grundsätzlich wirksam und zielführend sein kann. Diese sind:

  • ein Menschenbild, dass die betroffenen Akteure selbst die Lösungen erarbeiten können (Zutrauen in die Akteure)
  • ein Thema, eine Aufgabe oder eine Frage, bei dem die Akteure in Gesprächen neue Erkenntnisse hervorbringen können
  • die Motivation der betroffenen Akteure (ca. 8 bis 25), an der Lösung mitarbeiten zu wollen
  • Zeit und Raum für die Durchführung der Zukunftswerkstatt
  • eine Moderation, welche methodisch durch die Zukunftswerkstatt führt

Welche Wirkungen werden der Zukunftswerkstatt zugeschrieben?

Die Wirkungen einer Zukunftswerkstatt können nicht vorhergesehen oder kontrolliert werden. Es entwickelt sich eine eigene Dynamik, die bisher unmögliches geglaubtes ermöglicht. Konkrete Wirkungen hängen vom jeweiligen Thema, den Akteuren und deren Situation, sowie der Zielsetzung ab. Hier ein paar mögliche Wirkungen, die mit der Zukunftswerkstatt eintreten können:

  • wirkliches Gespräch zwischen Menschen aus unterschiedlichen Abteilungen, Bereichen, Lebenswelten
  • wirkliche Begegnung, in dem der andere in seiner Vielfalt gesehen werden kann
  • Reflexionsmöglichkeit der Akteure (am Du zum Ich finden)
  • den Zusammenhang, das große Ganze erkennen
  • die relevanten Fragen zum Thema erkennen
  • neue Antworten auf bekannte Fragen hören und verstehen (Aha-Effekte erleben)
  • eigene Wirkmächtigkeit erkennen
  • die Kraft einer Gruppe persönlich erfahren
  • neue Erkenntnisse aus seiner eigenen Mitte entstehen lassen (lernen)
  • Motivation kraft gemeinsam Handelns die Zukunft zugestalten
  • neue Lösungen für bekannte und bisher unbekannte Probleme gemeinsam entwickeln
  • Wiederentdeckung der eigenen Fantasie- und Visionskraft
  • Selbstvertrauen und Selbstentfaltungskräfte werden gestärkt
  • ein positives Erlebnis in einer Gruppe mit Produktivität und Freude
  • sich selbst und den anderen besser annehmen, so wie jeder ist
  • gemeinsam Zuversicht und Mut entwickeln, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen

Wie läuft eine Zukunftswerkstatt grob ab?

Es gibt viele Interpretationen der Zukunftswerkstatt. Robert Jungk hat damals die Zukunftswerkstatt in vier Schritte eingeteilt.

  1. Vorbereitungsphase
  2. Kritikphase (oder Kartharsisphase)
  3. Utopiephase
  4. Realisierungsphase

 

1. Vorbereitungsphase

In einer Vorbereitungsphase werden W-Fragen (z. B. Was, Wer, Mit Wem, Warum, …) mit der Gruppe oder Sprechern der Gruppe geklärt. Ängste, Befürchtungen, Unmut und Erfahrungen kommen in die Kommunikation.

2. Kritikphase (oder Kartharsisphase)

In dieser Phase beginnen die Akteure mit der Darstellung des Status quo, den Dingen, die nicht gut laufen, die negativ bewertet werden.

3. Utopiephase

Jetzt gilt es sich den bestmöglichen Zustand für die Zukunft vorzustellen. Dabei alle Sinne zu nutzen und wirklich zu träumen. Gemeinsam werden “Bilder” für eine wünschenswerte Zukunft für alle “gemalt”.

4. Realisierungsphase

Zum Abschluss wird bewertet und geprüft. Es werden konkrete erste Schritte, sowie eine grobe Strategie für die weitere Umsetzung festgelegt. Am Ende gibt es klare Verantwortlichkeiten für die nächsten Schritte und meist eine hohe Identifikation und Motivation der Akteure mit dem Thema und der Umsetzung.

Nutzen in der Praxis

Wenn Menschen ihre eigene Zukunft gestalten wollen – und dies nicht Experten oder Spezialisten überlassen wollen, dann ist die Zukunftswerkstatt die richtige Wahl. Ihr liegt ein humanistisches Menschenbild zu Grunde. Ausgehend von einer gemeinsamen Fragestellung entwerfen unterschiedliche Menschen eine gemeinsame, wünschenswerte Zukunft.

Wichtige Personen

Weiterführende Quellen

  • Erläuterungen zum Thema
    • Methodenpool der Uni Köln, PDF
    • Wikipedia Eintrag, Webseite
  • Organisationen
    • Robert Jungk Bibliothek für Zukunftsfragen, Webseite
  • Literatur
    • Jungk, Robert, und Norbert R. Müllert. Zukunftswerkstätten. Hamburg: Hoffmann und Campe, 1981.
      Kommentar: Einführung in das Konzept und erstes Buch zum Thema
    • Dauscher, Ulrich. Moderationsmethode und Zukunftswerkstatt. Grundlagen der Weiterbildung. Neuwied ; Kriftel ; Berlin: Luchterhand, 1996.
      Kommentar: Ausführliche Beschreibung und Gegenüberstellung zur Moderationsmethode
    • Kuhnt, Beate, und Norbert R. Müllert. Moderationsfibel Zukunftswerkstätten: verstehen – anleiten – einsetzen ; das Praxisbuch zur sozialen Problemlösungsmethode Zukunftswerkstatt. Neuaufl. Materialien der AG SPAK, ARRAY(0x4391208). Neu-Ulm: AG-SPAK-Bücher, 2004.
      Kommentar: Praxisbeispiele zum Einsatz der Zukunftswerkstatt
    • Burow, Olaf A., Marina Neumann-Schönwetter, Peter Weinbrenner, Walter Häcker, Robet Jungk, und Heinz Hinz. Zukunftswerkstatt in Schule und Unterricht. 2. Aufl. Hamburg: Bergmann + Helbig, 1997.
      Kommentar: Idealer Einstieg in das Thema von unterschiedlichen Autoren.
  • Artikelbild von Photo by Piron Guillaume on Unsplash

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